Soll- und Istbesteuerung

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  • Derzeit wird von Linde Office nur die Istbesteuerung unterstützt.
  • Die Informationen in diesem Beitrag sind für Kleinunternehmer nicht relevant.

Für die Fälligkeit der Umsatzsteuer für Lieferungen und sonstige Leistungen ist der Zeitpunkt der Entstehung der Steuerschuld ausschlaggebend. Dieser unterscheidet sich bei den beiden Besteuerungsarten Soll- und Istbesteuerung.

Istbesteuerung

Bei der Istbesteuerung entsteht die Steuerschuld unabhängig vom Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung mit Ablauf des Monats der Bezahlung. Dies gilt auch für Anzahlungen, die auch bei Anwendung der Sollbesteuerung im Zeitpunkt der Zahlung zu berücksichtigen sind. Das Recht auf Vorsteuerabzug für erhaltene Lieferungen und Leistungen besteht im Zeitpunkt der Bezahlung der Eingangsrechnungen.

Das Umsatzsteuergesetz gibt vor, dass Unternehmer, die hinsichtlich ihrer im Rahmen der Einkunftsarten „Land- und Forstwirtschaft“ und „Gewerbebetrieb“ erzielten Umsätze nicht buchführungspflichtig sind, die Steuer nach den vereinnahmten Entgelten zu berechnen haben, also die Istbesteuerung wählen müssen. Davon abweichend hat das Finanzamt auf Antrag zu gestatten, dass die Umsätze nach den vereinbarten Entgelten berechnet werden (Option für Sollbesteuerung).

Sollbesteuerung

Bei der Sollbesteuerung entsteht die Steuerschuld mit Ablauf des Monats, in dem die Lieferung oder sonstige Leistung ausgeführt wurde. Grundlage bilden die in einem Monat erbrachten Leistungen. Bei Rechnungslegung in einem späteren Monat verschiebt sich der Zeitpunkt des Entstehens der Steuerschuld um maximal einen Monat.

Geht bei der Ausführung einer Dienstleistung oder einer Werklieferung im Inland die Steuerschuld auf die Leistungsempfängerin/den Leistungsempfänger über, entsteht die Steuerschuld mit Ablauf des Monats, in dem die betreffende Leistung erbracht worden ist. In diesem Fall ist eine Verschiebung um ein weiteres Monat durch spätere Rechnungslegung nicht möglich. Bei der Sollbesteuerung kann es daher dazu kommen, dass Sie die Umsatzsteuer schon an das Finanzamt zahlen müssen, obwohl der Rechnungsbetrag noch offen ist.

Vergleich Soll-/Istbesteuerung

Größter Vorteil der Istbesteuerung gegenüber der Sollbesteuerung liegt darin, dass Sie die Umsatzsteuer erst nach dem Zahlungseingang an das Finanzamt bezahlen müssen. Bei der Sollbesteuerung müssen Sie die Umsatzsteuer auch von Außenständen bezahlen („vorfinanzieren“).

Beispiel:

Sie legen die Rechnung für eine Warenlieferung oder eine erbrachte Leistung am 15. Mai, die Zahlung geht erst am 20. August bei Ihnen ein.

  • Bei der Sollbesteuerung entsteht die Steuerschuld im Monat Mai und die Rechnung ist bei der UVA für den Monat Mai (bei vierteljährlicher UVA für das 2. Quartal) zu berücksichtigen. Dementsprechend ist die Steuer am 15. Juli (bei vierteljährlicher UVA am 15. August) fällig, also zu einem Zeitpunkt, in dem Sie noch kein Geld erhalten haben.
  • Bei der Istbesteuerung entsteht die Steuerschuld im August und die Umsatzsteuer ist bei der UVA für den Monat August (bei vierteljährlicher UVA für das 3. Quartal) zu berücksichtigen. Dementsprechend ist die Steuer am 15. Oktober (bei vierteljährlicher UVA am 15. November) fällig, also zu einem Zeitpunkt, in dem Sie das Geld schon vereinnahmt haben.

Ein weiterer Vorteil der Istbesteuerung liegt darin, dass die Umsatzsteuer nur von den tatsächlichen Zahlungseingängen fällig wird und bezahlt werden muss. Bei der Sollbesteuerung entsteht die Umsatzsteuerschuld vom vollen in Rechnung gestellten Betrag. Wird in der Folge tatsächlich weniger bezahlt, weil z.B. ein Skonto abgezogen werden konnte, wird die Umsatzsteuerschuld erst für den Zeitraum gemindert, in dem der Skontoabzug erfolgt ist.

Umsatzsteuer-Voranmeldung

Vom Zeitpunkt der Entstehung der Steuerschuld abhängig sind die Umsätze in der Umsatzsteuer-Voranmeldung (UVA) für jenen Zeitraum zu berücksichtigen, in dem die Steuerschuld entsteht bzw. entstanden ist. Die Umsatzsteuer ist in der Folge am 15. des zweitfolgenden Monates fällig und an das Finanzamt abzuführen.

Wechsel der Besteuerungsart

Wenn Sie sich dafür entscheiden, anstelle der Istbesteuerung die Sollbesteuerung anzuwenden, müssen Sie bis zum Abgabetermin der ersten UVA für den Veranlagungszeitraum (das ist idR das Kalenderjahr) beim Finanzamt einen Antrag stellen. Wollen Sie später wieder zur Istbesteuerung zurückkehren, ist dieser Schritt nicht genehmigungspflichtig.

Die Besteuerungsart kann immer nur zu Beginn eines Veranlagungsjahres gewechselt werden.

Übergang von der Istbesteuerung zur Sollbesteuerung

Beim Übergang sind die noch nicht versteuerten Außenstände in der ersten UVA zu versteuern.

Beispiel:

Sie gehen im Jahr 2018 von der Ist‑ zur Sollbesteuerung über, den dazu notwendigen Antrag haben Sie beim Finanzamt rechtzeitig gestellt. Ihre Außenstände zum 31. Dezember 2017 betragen netto € 50.000,- plus 20 % Umsatzsteuer. Dieser Betrag ist in der UVA für Jänner (bei vierteljährlicher UVA für das erste Quartal) 2018 zu berücksichtigen und die darauf entfallende Umsatzsteuer (€ 10.000,00) ist am 15. März (bei vierteljährlicher UVA am 15. Mai) 2018 abzuführen.

Übergang von der Sollbesteuerung zur Istbesteuerung

Beim Übergang von der Sollbesteuerung zur Istbesteuerung müssen Sie die Umsätze der ersten UVA um die im Vorjahr bereits versteuerten Außenstände vermindern, damit es zu keiner doppelten Besteuerung kommt.

Anzahlungen

Wenn Sie für spätere Lieferungen/Leistungen Anzahlungen erhalten haben, besteht kein Handlungsbedarf, weil in beiden Beteuerungsarten für die Besteuerung von Anzahlungen im Zeitpunkt des Zuflusses erfolgt.